
Offener Brief an die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
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- In vielen Gebieten sollen Erneuerbare-Energien-Anlagen keine Entschädigung mehr erhalten, wenn der Netzbetreiber diese abregelt. Dies würde Investitionen in Wind- und Solarenergie unkalkulierbar und kaum finanzierbar machen.
- Netzbetreiber sollen Anschlussbegehren selbst priorisieren dürfen. Das ist eine de facto Aussetzung des Erneuerbaren-Vorrang des EEGs.
Dies können wir Engineers for Future nicht akzeptieren. Deshalb richten wir diesen offenen Brief an Katherina Reiche.
OFFENER BRIEF
der unterzeichnenden Organisationen und Initiativen des Klimabündnisses
zum Referentenentwurf „Netzpaket“
an die
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie
Frau Katherina Reiche
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Scharnhorststraße 34–37
10115 Berlin
Berlin, den 11.03.2026
Sehr geehrte Frau Bundesministerin,
mit großem Respekt für die Verantwortung Ihres Hauses wenden wir uns an Sie zum sogenannten „Netzpaket“, das derzeit als Referentenentwurf in der Öffentlichkeit und Fachwelt diskutiert wird.
Engpässe im deutschen Stromnetz stellen ein Problem dar und es ist wichtig dieses anzugehen. Allerdings halten wir die im Entwurf zum „Netzpaket“ genannten Maßnahmen für nicht zielführend. Sollte dieser Entwurf in der vorliegenden Form in ein Bundesgesetz münden, droht er aus unserer Sicht, zentrale Fortschritte der Energiewende zu gefährden – wirtschaftlich, klimapolitisch und industriepolitisch.
Deutschland hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung ist stark gestiegen und lag zuletzt deutlich über 50 %. Photovoltaik und Windenergie verzeichnen hohe Zubauraten, insbesondere im dezentralen Bereich.
Netzengpässe bremsen den Ausbau der Erneuerbaren Energien und verursachen hohe Kosten. Trotzdem zeigen bisherige Maßnahmen, wie ein beschleunigter Übertragungsnetzausbau oder die Einführung des Redispatch 2.0, mit besserer Koordination zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern, bereits Wirkung. Die Kosten für Engpassmanagement sind zuletzt gesunken – eine direkte Entlastung der Netzentgelte und damit für alle Haushalte und die Industrie. Es zeigt sich, dass sich durch kluge Regulierung ökologische und ökonomische Ziele verbinden lassen. Wir benötigen aber dazu dann auch die Umsetzung durch einen konsequenten und zügigen Netzaus- und -umbau.
Ein wie im Referentenentwurf vorgeschlagener Redispatch-Vorbehalt würde erneuerbare Anlagen systematisch höheren Abregelungsrisiken aussetzen. Für Investoren bedeutet dies schwer kalkulierbare Erlöse und letztlich eine sinkende Investitionsbereitschaft mit negativen Folgen für bestehende und neu entstehende Arbeitsplätze in Deutschland. Die durch den Entwurf begründeten höheren Risiken für Investoren werden zu einer Zinserhöhung seitens Banken bei Krediten für Energieprojekte führen. Davon sind in besonderer Weise auch Kleininvestoren betroffen, was zwangsläufig zu einer weiteren Verzögerung des flächendeckenden Ausbaus erneuerbarer Energien führen wird.
Die ebenfalls im Referentenentwurf genannte Möglichkeit, Anschlussbegehren durch jeden Netzbetreiber selber zu priorisieren, setzt quasi den Erneuerbaren-Vorrang des EEG außer Kraft und verschiebt das Risiko einseitig auf Projektierer. In einem System mit über 800 Verteilnetzbetreibern drohen regionale Ungleichbehandlung, verlängerte Anschlusszeiten und intransparente Entscheidungsprozesse. Das widerspricht dem Ziel eines planbaren und investitionsfreundlichen Ausbaus.
Gerade im Bereich der Verteilnetze entscheidet sich der Erfolg der Energiewende.
Durch ihre Monopolstellung und bei Verteilnetzbetreibern üblichen kommunalen Beteiligungen bestehen Anreizstrukturen, die nicht immer auf maximale Beschleunigung des Netzausbaus ausgerichtet sind. Ohne klaren regulatorischen Druck – etwa durch verbindliche Anschlussfristen, Transparenzpflichten und Sanktionen bei verschuldeten Verzögerungen – besteht die Gefahr struktureller Trägheit. Ein höherer regulatorischer Druck bedeutet nicht Misstrauen gegenüber Verteilnetzbetreibern, sondern stellt die notwendige Klarheit für die Energiewende als nationale Aufgabe mit verbindlichem Zeitrahmen sicher.
Statt zusätzliche Hürden aufzubauen, sollten:
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- Rechtssicherheit und klare Randbedingungen beim Netzanschluss geschaffen,
- verfügbare Netzkapazitäten veröffentlicht,
- Genehmigungs- und Netzausbauverfahren beschleunigt,
- intelligente Messysteme schnell ausgerollt,
- netzdienliche Batterie-Großspeicher, etwa mit dynamischen Redispatch-Preissignalen, integriert,
- Netzgebiete in mehrere Strompreiszonen aufgeteilt und
- die gemeinsame Nutzung von Netzanschlüssen von Solar- und Windkraftprojekten und entsprechende
Erweiterung bestehender Projekte gefördert werden.
Jede Maßnahme sollte sich daran messen lassen, ob sie Tempo und Investitionssicherheit erhöht.
Deutschland hat gezeigt, dass eine klimaneutrale Stromversorgung technisch möglich und ökonomisch tragfähig ist. Ein Gesetz, das erneuerbare Anlagen stärker mit Vorbehalten belastet, während strukturelle Hemmnisse im Netzanschluss fortbestehen, würde die falschen Prioritäten setzen. Wir bitten Sie daher eindringlich, das „Netzpaket“ so zu gestalten, dass es den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt, anstatt ihn auszubremsen und insbesondere die Verteilnetzbetreiber verbindlich in die Pflicht nimmt, ihren zentralen Beitrag zur Energiewende effizient, transparent und zeitnah zu leisten.
Erneuerbare Energien sind nicht das Problem des Stromsystems – sie sind seine Zukunft.
Mit Hochachtung,
Dipl.-Ing. Elmar Jaeker
M.Eng. Felix Gerstner
Dr. Ralf Kosyra
B.Eng. Alex Kunze
Dipl.-Ing. Marcel Veerman
Dipl.-Ing. Tobias Lücke
Dipl.-Ing. Jörg Bergmann
Dr.-Ing. Sebastian Valouch
Dipl.-Ing. Markus Rasquin
B.Eng. Jonas Westermeier
für die
Engineers for Future
Website:
eng4f.de↗
Dr. Ralf Becherer
Dr. Niklas Goetz
für die
Scientist for Future Frankfurt(Main) e.V.

Website:
ffm.scientists4future.org↗
Michael Jäger
für die
Workers for Future Mainz-Wiesbaden

Prof. Dr. Rüdiger Faust
Prof. Dr. Kurt Rohrig
Dr. Alexander Basse
Svenja Quitsch
für die
Scientist for Future Kassel

Website:
kassel.scientists4future.org↗
Dr. Christine Rüth
Dr. Falk Bruckmann
Dr. Arno Tissler
Dr. Eva Schultner
Dr. Florian Lehmer
Dr. Klaus Wörle
Dr. Rita Elrod
Prof. Dr. Matthias Weiss
Dr. Anna Kühnel
Martina Schäfer
Manfred Ostermeier
Markus Feilner
Prof. Dr. Martin Creuzburg
Dr Matthias Lohr
Dr. Norwin von Malm
Dr. Sophia Schäfer
für die
Scientists for Future Regensburg

Hans-Georg Beuter
Dr. Maren G. Glüer
für die
Parents For Future Deutschland

Website:
parentsforfuture.de↗
Finja Maschigefski
Jonas Evers
für
Fridays for Future Wilhelmshaven/Friesland

PhD Alexander Hogrebe
Dr. Susanne Neubert
für die
Scientists for Future Berlin-Brandenburg

Dr. Dominik Müller
Thor-Can Avci
Fabian Röling
Dipl.-Geogr. Nina Harms
für
HannoverZero

Website:
hannoverzero.org↗
M.Sc. Lena Hüschen
M.Sc. Katharina van Bronswijk
für die
Psychologists / Psychotherapists
for Future e.V.

Website:
psy4f.org↗
Björna Althoff
André Füsgen
Hannah Stühlen
für
Fridays for Future Krefeld

Instagram:
instagram.com/fridaysforfuture.krefeld↗
Sofie Brammer
für die
Scientists for Future Braunschweig

Instagram:
instagram.com/scientists4future_bs↗
Sascha Toussaine
Christhard Landgraf
Gerd Brünig
Marc Viladrich Herrmannsdörfer
für die
Creatives for Future

Website:
creativesforfuture.de↗
Dr. Markus Wehrer
für die

Anna Lena Wilke
Daha Yeo
Coco Vetter
Jonas Evers
Mila Danlowski
für die

Website:
studentsforfuture-hamburg.de↗
für

für die

Website:
darmstadt.scientists4future.org↗
Friedrich Wiemer
Michael Jarosch
Domenico Carbone
Jan Butz
Benjamin Tempel
Eva Stegmaier
für die

Dipl.-Psych. Anne Lujic
Constanze Bernstein (Ärztin/Psychoanalytikerin)
Ute Barkowski (Ärztin/ärztl. Psychotherapeutin)
Dipl.-Psych. Tanja Hottelet
Prof. Dr. Thomas Bock
für die

für die
Darmstadt und Umgebung

für die
Scientists for Future Kiel/Schleswig-Holstein

Einzelpersonen
Sabine Emminger
Thomas Schwarz
Diana Wagner
Dr. med. Wolfgang Keske
Dr. med. Peter Schweiger
Miriam Kloiber
Martin Ritzert
Claudine Stauber
M.Sc. Sofie Brammer
Dr. rer nat Cornelia Vogelsang
Rüdiger Höwler
Christl Kuhn
Prof. Dr. Volker Quaschning
Dr. Petra Knupfer
Dipl.-Phys. Susanne Raiser
Dipl.-Wirtsch.-Ing. (BA) Rico Borsitz
Florian Klebs
Dipl. math. oec. Christian Zach
Samantha Stiller
Dr. Ing. Matthias Stiller
Dipl.-Ing. biotech. Frank Kose
Anton Hickl
M.Sc. Robin Langemann, SfF Braunschweig
Architekt F. Stauber
M.Sc. Stephan Muth
Prof. Dr. Matthias Euteneuer
Ben Scherließ
Elea Scherließ
Dipl.-Ing.in (FH) Iris Scherließ
Dipl.-Inf. (Univ.) Michael Seyfried
Dipl.-Ing. Thomas Krause
Ingo Kirchhof
M.A. Norbert Engemaier
Dipl.-Biol. Esther Langer
Dr. rer. nat. Matthias Langer
Dipl.-Ing. Klaus Gaber
Martina Schubert
Marion Kempe
M.Sc. Lea Musiolek
Dr. Elisa Lohfink, SfF
Dipl.-Ing. MBA Wolfgang Anheyer
Dipl.-Inf. Andy Drögmöller, XR-Dresden
Dipl.-Ing. (FH) Josef Schmid
Angela Patka
M.Sc. Anton Achhammer
Dr. Wolfgang Bengtsson
Dr. Ulla Herter-Bott
Moritz Riedacher
Dr. Carl Montán
Matthias Urlichs
Dr. rer. nat. Dietrich Häußler
Jutta Weißmann
Dr. med. Katharina Schilcher
Karin Schimmer
Christa Schlotterbeck
Irmtraud Chladek
B.Sc. Marie Stelter
M.Sc. Kathrin Rettinger
Dipl.-Med.-Päd. Jana Hartwig
MEng Friederike Westenberger
Dipl.-Ing. (Univ.) Michael Hövel
Dipl.-Ing. (FH) Vera Macher
B.A. Moritz Chladek
Dipl.-Päd. Katrin Eichen
Benjamin Mayer
Dr. Julia Gückler, Health for Future
Anne Gerdes, Parents for Future HH
Johannes Bohmeyer
Julia Vermeulen
Dr. Michael Döscher, SfF Hamburg
Petra Filbeck
Dipl.-Ing.in (FH) Hilka Schmidt-Mittelstaedt
Laura-Marie Strützke
Dr. Raoul Pascal Pein, SfF Hamburg
Dipl.-Psych. Martina Amberg
Dipl.-Ing. Wilfrid Grote
Prof. Matthias Weiss
Irma Rasquin
Dr. Gregor Hagedorn
Dr. rer. nat. Markus Vogelsang
Prof. Dr.-Ing. Sven Linow
Cornelia Apel, H4F Berlin
Prof. Dr. Verena Kaiser
Ulrich Schulte
Dipl.-Ing. (FH) Katja Ehlers-Krüger
Prof. Dr. Heinz P. Huber
Dipl. Math. Peter Neumann
Dipl.-Geogr.in Susanne Stange, S4F HH
Gisela Bräuninger
Dr. Franz Summerer
Dipl.-Psych. Rike Wagner
Sven-Olav Wagner
M.Sc. Kariem Soliman
Kristina Kampf
Stefanie Trompler
Georg Klein
Dipl.-Ing. (Univ.) Melanie Zacharias
Dr. med. Anke Bloching
Dr.-Ing. Georg Mehlhart
Dr. rer. nat. Ivo Greiter
Stephan Steenken
Dr. rer. nat. Michael Gerstl
Dipl. Phys. Sylvia Summerer
Dipl.-Ing. Mike Fink
Franz Waldmann, BUND Regensburg
Mareike Pruin, P4F HH
Kay Richter
Dr. rer-nat. Andrä le Coutre
Claudia Postel, P4F HH
M.Sc. David E. Langer
Dr. Maria Hummes
Maik Grebita, Parents4Future HH
Mitzeichnung durch über 40 Organisationen und über 100 Einzelpersonen
Bis zum 08.03.2026 konntet Ihr den offenen Brief als Organisationen, Bewegung oder auch als Einzelpersonen unterstützen. Die bis dahin eingegangenen Unterschriften haben wir in den finalen Brief an die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie übernommen. Am 12.03.2026 ist der offene Brief per Post an das Ministerium verschickt worden, außerdem haben wir ihn an verschiedene Redaktionen weitergeleitet.
Pressemitteilung
Klimagruppierungen fürchten wegen Netzpaket um Energiewende
Über 40 Klima-Gruppierungen und viele Einzelpersonen wenden sich in einem Brief an Bundeswirtschaftministerin Katherina Reiche aufgrund des kürzlich bekannt gewordenen Referentenentwurfs zum sogenannten Netzpaket. Sie befürchten, dass dieses die Energiewende gefährden kann und schlagen andere Maßnahmen zur Vermeidung von Netzengpässen vor.
In dem von den Engineers for Future iniziierten offenen Brief an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche äußern die Unterschreibenden ihre Sorge um die Energiewende. Sie befürchten, dass das Netzpaket, von dem kürzlich ein Referentenentwurf bekannt wurde, den weiteren Umbau zu einem klimaneutralen Energiesystem ausbremst, wodurch die Klimaziele weiter unter Druck geraten. Abhängigkeiten von teueren Energieimporten bleiben bestehen und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in einer zunehmend auf erneuerbare Energien setzende Weltwirtschaft wird geschwächt. Mit dem Netzpaket möchte das Ministerium Kosten für den Stromnetzausbau begrenzen und Netzengpässe vermeiden, die aufgrund des starken Ausbaus erneuerbarer Energien aus Solar und Wind entstehen. Mit dem Netzpaket sollen u.a. Entschädigungen für Betreiber von PV- und Windstromanlagen bei Eingriffen durch die Netzbetreiber eingeschränkt werden. Weiter sollen Netzbetreiber zukünftig selbst priorisieren dürfen, welche neuen Erneuerbare-Energie-Anlagen angeschlossen werden.
Elmar Jaeker von den Engineers for Future, erklärt ein zentrales Problem des Entwurfs: „Durch den vorgeschlagenen Redispatch-Vorbehalt würde es für Projektentwickler deutlich schwerer zu kalkulieren sein, mit welchen Einnahmen durch eine Erneuerbare-Energien-Anlage sie rechnen können. Damit würden Investitionen in erneuerbare Energien weniger planbar und Banken müssten höhere Zinsen verlangen. Das kann die Attraktivität vieler EE-Projekte gefährden und die dringend notwendige Energiewende ausbremsen, anstatt sie zu beschleunigen.“ „Wir befürchten, dass das Netzpaket ähnliche Folgen haben könnte wie die EEG-Novellen 2012 und 2013 in Folge derer der PV-Ausbau um über 80% einbrach und die deutsche PV-Industrie nahezu vollständig zerstört wurde – mit entsprechenden Konsequenzen für Klima, Energiesicherheit und Arbeitsplätze“, ergänzt Felix Gerstner, ebenfalls von den Engineers for Future. Die Initiatoren des Briefs kritisieren den Referentenentwurf aber nicht nur, sondern schlagen alternative Maßnahmen zur Reduktion von Netzengpässen und Ausbaukosten, sowie zum Erhalt und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze vor.
Neben den Engineers for Future haben sich über 40 Gruppierungen und Organisationen aus der Klimabewegung dem Aufruf angeschlossen. Mehr als 100 Einzelpersonen haben den Brief ebenfalls unterzeichnet. Darunter auch Prof. Volker Quaschning, der mit vielen eigenen Beiträgen zur Energiewende aufklärt und informiert.
Über die Engineers for Future
Die Engineers for Future sind ein Zusammenschluss von Ingenieurinnen und Ingenieuren, die sich ehrenamtlich gemeinsam mit den Fridays for Future und anderen for Future-Bewegungen für die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommen einsetzen. Sie fordern unter anderem eine konsequente Energie-, Mobilitäts-, Agrar- und Wärmewende, indem sie die technische Perspektive in den öffentlichen Diskurs einbringen.





















